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Meine Fotos gefallen mir nicht mehr …

Ein Beitrag von Martin Kunz

Meine Fotos gefallen mir nicht mehr …

aber warum nur? Es ist doch alles scharf und alles ist drauf auf dem Foto. Man kann alles sehr gut erkennen, nichts ist zu dunkel oder zu hell. Bunt ist es auch und das Wetter war gut.

Wer kennt das nicht, wenn man zum Beispiel aus dem Urlaub zurückkommt und hunderte oder auch mehr von Fotos sichtet. Irgendwie sehen die alle sehr ähnlich aus und mindestens die Hälfte der Fotos gibt es mehrfach mit nur ganz geringer Änderung des eigenen Aufnahme-Standpunktes. Am Ende einer sich über Stunden hinziehenden Auslese bleiben dann ein paar Aufnahmen übrig, die man auch anderen zeigen kann.

Was ist passiert? Bei der Aufnahme – gleich ob mit Handy, Tablet oder einer automatischen Digitalkamera – hat mich das Motiv doch gereizt, ein Foto zu machen. Warum ist dieser Reiz in der nachträglichen Durchsicht meiner Fotos verloren gegangen? An der Kamera, dem Handy oder dem Tablet kann es nicht liegen; die machen ihre vollautomatische Fotoarbeit ja geradezu perfekt und wenn es mir nicht auf Anhieb gefallen hat bei dem Kontrollblick auf das Display mit dem gerade geschossenen Foto, dann habe ich halt noch eins und gegebenenfalls noch weitere Aufnahmen gemacht.


Perfektion glauben wir heute mit immer neuen und aufwendigeren technischen Lösungen erzielen zu können. Diesem Glauben war ich ebenfalls erlegen bis mich ein weltweit unerwartet eingetretenes Ereignis gezwungen hat, ein paar Schritte zurück zu gehen. Die Covid-19 Epidemie, auch Corona genannt, hat unseren Aktionsradius brutal schnell mehr oder weniger auf die eigenen vier Wände reduziert. Uns bleibt nicht viel mehr übrig, als uns Beschäftigung zu suchen mit und bei dem, was wir zu Hause haben. So habe ich alte Objektive, die meine Eltern noch in der analogen Zeit der Fotografie eingesetzt haben, wieder neu entdeckt. Mit einem passenden Adapter lassen sich diese alten Objektive an einer modernen digitalen Kamera anschließen. Gleich beim allerersten Einsatz wurde mir bewusst, dass mit diesen alten Objektiven die Blende, die Entfernung und an der digitalen Kamera auch die Verschlusszeit und der gewünschte ISO-Wert manuell und nicht automatisch eingestellt wird. Und dann ist es passiert, dass mir meine Aufnahmen auf einmal wieder gefallen und einen ganz besonderen Reiz auch in der späteren Betrachtung ausstrahlen. 

Die alten Objektive mit ihrer oftmals nicht ganz perfekten technischen Ausstattung tragen genauso mit dazu bei, wie auch der durch das manuelle Einstellen der notwendigen Aufnahmeparameter erforderliche längere und aufmerksamere (!) Blick durch den Sucher der Kamera. Wie von selbst schärft sich der Blick für das Wesentliche im Bild, seine Komposition und den Bildausschnitt. Schärfe und Unschärfe stellt man jetzt ganz bewusst ein, helle und dunkle Bildpassagen werden mit Absicht gewählt und vielleicht holt man sich auch noch Bewegung in das Bild über eine entsprechende Wahl der Verschlusszeit. Im Ergebnis gewinnen die Fotos wieder an Attraktivität und Bedeutsamkeit auch für andere Betrachter, die über den eigentlichen Bildinhalt hinaus auch die Emotionen begreifen, die beim Fotografieren beabsichtigt gewesen sind.

Nun sind über Corona einige Jahre ins Land gezogen und mein Schatz an „Altglas“ – wie diese alten Objektive aus der analogen Zeit gerne genannt werden – ist immer größer geworden. In dieser Reihe über die Fotografie mit „Altglas“ möchte ich im nächsten Beitrag erläutern, wie diese alten Optiken an heutige moderne Digitalkameras adaptiert werden können und worauf dabei zu achten ist. Es wird eine gut verständliche Einführung geben, denn je mehr Menschen wieder achtsam und bewusst fotografieren, desto weniger Serverkapazität wird für Fotos benötigt, die man nur einmal sich anschaut und dann im endlosen Datenspeicher vergisst. 


Aufnahmen
Foto 1: Paris 1979 – Konica T3 Autoreflex mit Konica Hexanon AR 50 mm f/1.7
Foto 2: digitale Canon EOS M50 mit Meyer-Optik Görlitz Trioplan 100 mm f/2.8 von 1960
Foto 3: Objektiv UV Topcor 50 mm f/2.0 von Tokyo Kogaku aus Anfang der 1960er Jahre, adaptiert auf Kameraanschluss Canon EOS EF

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