Supersync – eine Abhandlung für Laien

Unser Szenario ist folgendes: Sonne im Hintergrund vom Model. Der Hintergrund soll unscharf abgebildet werden. Dazu ist eine offene Blende und wegen des sehr hellen Umgebungslichts eine sehr kurze Verschlusszeit erforderlich. Das Model soll durch den Blitz ausgewogen beleuchtet werden. Hier kommt Supersync zum Einsatz.

UMF8286-Bearbeitet-872x1030Supersync ist einfach zu verstehen, wenn man die Entstehungsgeschichte und wenige technische Belange kennt. Blitztechnik und Fotoapparate haben heute viel Elektronic inne, der technisch physikalische Grenzen gesetzt sind. Die Fotoapparate unterscheiden sich in zwei Typen: diejenigen mit eingebautem Verschluss und denjenigen denen eben dieser Verschluss fehlt und dieser in den Objektiven eingebaut ist. Die kürzest mögliche Verschlusszeit/Belichtungszeit beträgt nur 1/500 sec.! Bei den Kameras mit eingebautem Verschluss ist mechanisch erzielbar die kürzeste Belichtungszeit 1/4000 sec. Bei den Spitzenmodellen sogar 1/8000 sec. Die kürzeste Belichtungszeit, bei der der Verschluss ganz geöffnet ist, beträgt nicht mehr als 1/250 sec. oder nur 1/125 sec. Diese Belichtungszeiten werden als Synchronzeiten bezeichnet. Die Kameraverschlüsse sind zweiteilig aufgebaut und bestehen aus einem vorderen und einem hinteren Vorhang. Die Belichtung (bis zum Erreichen der Synchronzeit) kann man sich ganz einfach vorstellen. Der vordere Vorhang fällt herunter. Der Sensor liegt komplett frei und wird belichtet. Nach Ablauf der Zeit fällt der hintere Vorhang herunter und verschließt den Sensor. Danach werden die Verschlussvorhänge wieder in die Ausgangsposition gebracht. Verwenden wir kürzere Zeiten als die Synchronzeit, setzen sich die beiden Verschlussvorhänge mehr oder weniger gleichzeitig in Bewegung und bilden einen mehr oder weniger hohen Schlitz, der über den Sensor läuft und so die Belichtung ermöglicht. Die Höhe des Schlitzes ist von der Belichtungszeit abhängig und ist umso geringer, je kürzer die Belichtungszeit ist. Beim Pendent, dem Zentralverschluss ist das anders. Dieser ist ähnlich der Objektivblende aufgebaut und schließt Ringförmig. Die kürzeste Belichtungszeit beträgt nur 1/500 sec. Kürzer kann mit diesen Objektiven nicht belichtet werden! Bei Supersync verwenden wir Belichtungszeiten kürzer als 1/500 sec., womit diese Kamerasysteme aus unser Betrachtung herausfallen.

Nun wenden wir uns den Blitzgeräten zu, und zuerst den Systemblitzgeräten, die über den Blitzschuh mit der Kamera verbunden werden. Der Blitzschuh ist in der Größe standardisiert – Ausnahme Sony, die machen da immer mal was eigenes. Der Blitzschuh hat einen Mittenkontakt, über den das Blitzsignal an den Blitz übertragen wird. Drum herum befinden sich je nach Kameramarke verschieden angeordnete weitere Kontakte, die unterschiedlichste Informationen und Steuersignale übertragen.

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Systemblitzgeräte haben eine unvorstellbar kurze Abbrennzeit – die Zeit, in der der Blitz Licht abgibt -. Viel kürzer als die kürzeste Belichtungszeit der Kamera! Der Blitz ist also schon wieder aus, noch bevor die Kamera mit der Belichtung fertig ist. Vor diesem Hintergrund ist leicht zu verstehen, warum man bei Blitzbelichtungen auch von Doppelbelichtungen spricht. Da der Blitz immer kürzer leuchtet als die Belichtungszeit beträgt, fließt das Umgebungslicht in die Belichtung mit ein. Mehr oder weniger, je nach gewählter Blende versteht sich.
Die folgende Aufnahme wurde mit 1/500 sec. Belichtungszeit aufgenommen.

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Der schwarze Balken im unteren Bildbereich lässt gut erkennen, dass die Synchronzeit nicht eingehalten wurde. Der abgeschattete Bereich ist unten, obwohl er eigentlich oben sein müßte. Da das Bild in der Kamera auf dem Kopf steht, muss es der zweite Vorhang sein, der sich in der Abwärtsbewegung befindet.

DSC_2863_gedreht

Bleiben wir noch kurz bei dem Systemblitz, bevor wir dann zum Supersync kommen. Damit Blitzbelichtungen auch bei z.B. 1/4000 sec. Belichtungszeit möglich sind, haben sich die Elektroniker etwas ausgedacht und es HSS – High Speed Syncronization – genannt. Es wird auch als Ultrakurzzeitsynchronisation benannt. Bei Nikon hat es die Bezeichnung FP. Was passiert bei HSS? Der Blitz wird x-mal kurz hintereinander gezündet. Durch die elektronische Konstruktion dieser Blitzgeräte ist HSS nur bei geringer Leistung der Blitzgeräte möglich. Ihr könnt das Prüfen, in dem ihr euren Systemblitz auf volle Leistung stellt und mit dem Testknopf versucht, ganz schnell hintereinander den Blitz zu zünden. Das geht nicht, denn die Wiederaufladezeit bremst uns hier aus. Grob gesagt beträgt bei HSS die verfügbare Leistung ca. 1/3 der Vollleistung.

Im Gegensatz zu HSS wird bei Supersync der Blitz nur ein einziges Mal gezündet!

Fazit unserer bisherigen Betrachtung ist: Wir brauchen einen Blitz, der langsamer abbrennt, oder anders gesagt länger leuchtet, als unsere an der Kamera eingestellte Belichtungszeit beträgt. Da die Systemblitze wegen deren viel zu geringer Lichtleistung – wird in Leitzahl angegeben – ausscheiden, kommen nur Studioblitzgeräte in Betracht. Bei den Studioblitzgeräten hat die technische Entwicklung durch die Anforderungen der Fotografen zu Geräten geführt, die extrem kurze Abbrennzeiten haben. Diese Geräte sind teuer und überwiegend nur bei den Premiumherstellern Multiblitz, Richter, Hensel, Profoto, Bläsing, Priolite, um nur die Bekanntesten zu nennen, im Programm. Aus Fernost hat uns Jinbei mit seinen spöttisch bezeichneten Chinaböllern beglückt. Diese Blitzgeräte taugen aus Sicht des Profifotografen nichts. Sie haben viel zu lange Abbrennzeiten und noch andere technische Mängel. Aber für Supersync sind sie super geeignet. Diese Geräte haben eine Leistung ab 400 Ws. Es gibt sie mittlerweile auch mit eingebautem Akku. Dadurch sind sie sehr mobil einsetzbar. Andere bestehen aus Generator und Blitzkopf und einem Kabel, welches beide verbindet. Der Quadra Ranger von Elinchrom ist der bekannteste portable Blitz in dieser Gerätekategorie, aber auch einer der teuersten.

So nun steht uns für Supersync nichts mehr im Wege. Oder doch?

Ja, denn einfach diese Blitzgeräte mit einem Synchronkabel anzuschließen geht, aber nur bis zur Synchronzeit. Sonst haben wir wieder den schwarzen Balken im Bild. Wie kommen wir weiter? In dem wir spezielle Funkfernauslöser verwenden, die eigentlich zum Fernauslösen von entfesselt betriebenen Systemblitzgeräten konstruiert worden sind. Die Systemblitzgeräte weisen nämlich eine Besonderheit auf. Sie können mit der Kameraelektronic kommunizieren. Dies ist erforderlich, um im Automatikmodus Blitzlichtaufnahmen möglich zu machen. Die Kamera zündet den Blitz schon einmal vor der eigentlichen Aufnahme und ermittelt über den eingebauten Belichtungsmesser die benötigte Blitzleistung und stellt diese am Blitzgerät ein. Das funktioniert unvorstellbar schnell. Bei Nikon wird das System als iTTL – TTL steht für thru the lens – bezeichnet. Für unser Supersync nutzen wir diese Kommunikationsmöglichkeit aus. Darin erklärt sich auch, warum einfache Funkfernauslöser nicht in Betracht kommen. Sie schicken das Blitzsignal erst im Zeitpunkt der Auslösung an den Blitz. Das ist für unser Supersync zu spät. Jetzt können wir endlich supersyncen und uns an tollen Bildern erfreuen. Wirklich? Jein. Was ist denn nun schon wieder, fragst Du Dich gerade? Ich sage es Dir.

Das Blitzlicht leuchtet nicht über die gesamte Zeit mit gleicher Stärke. Dargestellt wird es in einer Abbrennkurve. Siehe folgende Grafik dazu.

Duration_Curve_Full_a500 Kopie

Da der Lichtleistungsabfall bereits eintritt, bevor unsere Belichtung fertig ist, kann es im Bild zu einem mehr oder weniger starken nicht linearen Helligkeitsverlauf von Dunkel nach Hell im oberen Teil des Bildes kommen. Warum oben? Erinnere Dich: das Bild steht in der Kamera auf dem Kopf. In der Bildbearbeitung steht uns nur ein linearer Verlaufsfilter zur Korrektur zur Verfügung. Damit ist der Helligkeitsverlauf nicht optimal, aber ausreichend korrigiert.  Dem Perfektionisten wird das nicht genügen und er wird nach anderen Lösungen suchen und auch fündig werden, z.B. bei Elinchrom mit dem ELB 400 und dem HS Blitzkopf. HS steht für Highsync. Dieses System erzeugt keinen Helligkeitsverlauf! Ich benutze dieses Blitzgerät sehr gerne, weil es klein ist trotz des Akkugenerators. Der Elinchrom ELB 400 kostet rund 1700 Euro. Der von den Abmessungen und der Leistung vergleichbare Jinbei FL II 500 kostet gerade mal 600 Euro.

Zum Abschluss unserer Betrachtung beantworte ich noch die Frage, warum wir bei Supersync nicht die volle Leistung des Blitzgerätes zur Verfügung haben. Die volle Lichtleistung haben wir nur, wenn wir nicht kürzer belichten, als der Blitz an Zeit für seine vollständige Entladung braucht. Es geht also einfach Blitzlichtleistung ungenutzt verloren. Dem deutschen Hersteller Priolite war das Herausforderung genug, ein Spezialblitzgerät zu bauen, bei dem auch bei Supersync die volle Blitzpower von 1000 Ws zur Verfügung steht. Wer das nutzen möchte, ist mit 2500 Euro dabei.

Wenn Ihr noch Fragen habt, stellt sie in den Kommentaren.

 

Uwe Möbus

Unter dem Motto "Objektiv Subjektiv" schreibt der Author über Themen rund um die Fotografie und schaut dabei auch über den Tellerrand hinaus.

Bei dem Bemühen um Objektivität können Irrtümer nicht ausgeschlossen werden. Wenn Ihnen etwas auffällt, schreiben Sie bitte eine Nachricht an den Autor.

Uwe Möbus beschäftigt sich seit über 30 Jahren mit der Fotografie. Seine Erfahrungen gibt er in Trainings, Workshops und individuellen Coaching an alle Interessierte weiter.

Kommentare

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  • Hallo Uwe!
    Toll erklärt, Kompliment.
    Kannst du mir noch verraten wie du beim
    Supersync die Kamera im manuellen Modus einstellst.

    Welche Belichtungsmessmethode nimmst du oder
    nimmst du einen Belichtungsmesser?
    Also natürlich bevor du dann den Blitz dazu nimmst.
    Veränderst du dann noch was an der Verschlusszeit um einen dunkleren, kontrastreichen Hintergrund zu erlangen?
    Die Beschreibung oben ist wirklich gut, aber irgendwie fehlt mir bei jeder Beschreibung im Internet, wie man die Kamera eingestellt hat bzw. wie man die Belichtungsmessung (ohne Blitz) am Besten macht. Wäre toll wenn du hier ein paar Zeilen drüber ergänzen könntest.
    LG Alex

  • Hallo Alex, danke für Dein Lob und Deine Fragen, die ich gerne beantworten werde.
    Meine Vorgehensweise bei dem Bildbeispiel oben im Beitrag ist folgende: Die Belichtungsmessung mache ich mit der Kamera. Als Messmethode wähle ich bei meiner Nikon Integralmessung. Die Blende ist bereits auf den gewünschten Wert eingestellt. Sagen wir mal 2.8. ISO so niedrig als möglich. Die Kamera zeigt dann eine Belichtungszeit an. Ich mache eine Aufnahme und schau mir das Ergebnis an. Gehen wir mal davon aus, die Belichtung auf den Hintergrund gefällt mir so wie die Kamera das ermittelt hat. Ich schalte in den Modus M und stelle die Belichtungszeit ein. Jetzt kommt das Model hinzu und der Blitz, der auch erst jetzt mit hinzu genommen wird. Wenn man noch nicht abschätzen kann, welche Leistung nun am Blitz eingestellt werden sollte (der Abstand Blitz Model ist beachtlich) hilft probieren. Einfach bei voller Leistung anfangen und dann so weit runter regeln, bis das Model im Vordergrund schön belichtet ist. Schön ist hier Geschmackssache. Hilft das Variieren der Blitzleistung nicht wie gewollt, kann man noch den Abstand Model Blitz variieren. Dann sollte es aber passen.
    Ganz richtig schreibst Du ja, dass man die Belichtungszeit noch entsprechend eigenem Geschmack ändern kann um den Hintergrund je nach Geschmack zu belichten.
    Zu meiner Ausrüstung gehört auch ein Handbelichtungsmesser der immer mal wieder zum Einsatz kommt.
    Ich hoffe, ich konnte mit meiner Antwort etwas Licht in das Dunkel bringen. Und wenn noch Fragen sind, schreib sie in die Kommentare. Herzliche Grüße Uwe

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