Warum das Vollformat nicht voll ist

Nikon D4 2.8 70mm

Immer wieder wird mir erzählt, man steige jetzt auf das Vollformat um. Dann frage ich immer, was ist denn ein Vollformat?

Manche halten die Frage für reine Provokation. Ich wüsste doch genau, was gemeint ist. Ja eben drum frage ich. Denn das Format 24×36 ist ein Kleinbildformat. Betonung auf Klein und keineswegs irgendwas mit Voll. Denn Voll gibt es nicht als Format!!

Der Gedanke, wenn man einen kleineren Sensor in der Kamera hat, als Kbf (Kleinbildformat), habe man keinen Vollständigen Sensor, sondern nur einen Teil vom FF-Format, ist völliger Blödsinn und abwegig. Aber gerade die Hersteller der Kameras wie z.B. Nikon suggerieren genau das, in dem sie Kameras mit Kbf-Sensor als FX, oder FullFrame bezeichnen.
Es gibt wesentlich größere Sensoren als Kbf, nämlich das so genannte Mittelformat. Na klingelt es schon im Hirn? Ich sagte Mittelformat. Richtig, als nächstes kommt das Großformat.

Also stellen wir uns doch mal die Frage, ob sich der Umstieg von MFT (Micro Four Thirds) auf FX/Kbf/FF wirklich lohnt. Die Größe des Sucherbildes kann es nicht sein, denn im Bereich MFT gibt es in der Regel spiegellose Kameras, die einen digitalen Monitor haben und ein sehr großes Sucherbild zeigen. Lediglich in den so genannten DX (Digital Crop) Formaten bei den DSLR (Nikon, Canon, Pentax u.a.) ist der Sucher deutlich kleiner als in einer FF-Format DSLR. Das war für mich lange Zeit der eigentliche Grund, nur mit FX-Kameras von Nikon zu arbeiten. Aber die digitalen Sucher der modernen Spiegellosen werden stetig besser. Dennoch liebe ich nach wie vor das natürliche Sucherbild. Auf Grund der Größe des Spiegels sind die Gehäuse der Kameras halt auch größer. Bei den Spiegellosen, aber nicht Prismalosen Kameras ist der digitale Sucher extrem Klein und wird durch das Prisma entsprechend vergrößert. Je geringer die Auflösung des digitalen Suchers ist, um so mehr sieht man durch die Vergrößerung die einzelnen Pixel. Aber wie gesagt, die digitalen Sucher werden immer hochauflösender. Aber dieser Fortschritt hat seinen Preis. Eine spiegellose FF-Format mit rund 40 Megapixel kostet an die viertausend Euro.

Aber wir wollen ja mal ergründen, ob sich der Umstieg lohnt. Kriterium dafür ist z.B. die Bildqualität. Ist das Bokeh der FF-Format schöner als das der DX-Format? Mit Bokeh wird oft die Hintergrundunschärfe gemeint. Was es damit auf sich hat aus technischer Sicht, ist einen eigenen Artikel wert.

Meine Testbilder zeigen den Unterschied zwischen einer Nikon D4 mit einem 2.8/24-70 in der Brennweite 70mm und einer Olympus OM-D E-M1 mit einem 2.8/14-40 mit der Brennweite 35 mm. Es wurde versucht, den Abbildungsmaßstab gleich groß zu halten. Fotografiert wurde mit Blende 2.8.

Nikon D4 2.8 70mm
Nikon D4 2.8 70mm
Olympus E-M1 2.8 35mm
Olympus E-M1 2.8 35mm

Der nur geringe Unterschied ist deutlich sichtbar. Groß ist der Unterschied nicht. Bei der Olympus mit dem MfT-Sensor (Cropfaktor 2) ist der Hintergrund leicht schärfer abgebildet. Ob das relevant ist und den deutlich höheren Preis der Nikon D4 bzw. des V-Formats rechtfertig, muß jeder für sich selber entscheiden. Bei einer Kamera mit DX-Format ist der Unterschied noch viel geringer. Ich bin der Meinung, daß ein Umstieg von dem DX-Format oder MfT-Format auf das V-Format mit der Begründung des schöneren Bokeh bzw. der Unschärfe des Hintergrundes nicht überzeugen kann.