Buchecke Fachbuch Rezension

Bessere Fotos von Thomas Kleinert und Martin Schmidt

Im Verlag mitp ist im Dezember 2022 das Buch “Bessere Fotos – Bilder diskutieren, verstehen und verbessern” erschienen. Das Buch unterscheidet sich in seiner Art der Wissensvermittlung deutlich von anderen ähnlichen Büchern. Dazu später mehr.


Vorwort zum Buch: Zunächst möchte ich darauf hinweisen, dass sich in dem Buch zu dem Thema “Knalleffekt” ein Foto befindet, an dem ich Anstoß nehme. Es zeigt zwei Kinder, bei dem das eine Kind dem anderen eine Waffe an den Kopf hält. Ich habe dazu folgende Meinung: Das Foto ist für das Buch nicht von Relevanz und daher verzichtbar. Man hätte ein anderes Foto zu dem Thema auswählen können. Oder ganz auf den Beitrag verzichten können. Ich lehne jegliche Darstellung von Gewalt ausserhalb einer leider notwendigen Berichterstattung zu Kriegsereignissen ab. Das gilt auch für die Sprachwahl. Es finden sich leider auch Wörter wieder, die eindeutig dem militärischen Bereich zuzuordnen sind. Mich persönlich stört allein schon die Begrifflichkeit Shooting. In der fotografischen Sprache wird leider völlig unnötig mehr geschossen als auf einem Schießstand. Fachbücher zu dem schönen Thema Fotografie sollen erbauend sein. Ich lehne das Buch nicht in seiner Gänze ab. Aber ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich hier eine Rezension verfasse. Und habe mich dafür entschlossen mit dem vorangestellten Hinweis.


Neben der Bilddiskussion zu Fotos aus den Bereichen Landschaft, Architektur Street sowie Tierfotografie erhält der Leser Informationen zu Aufnahmetechniken, Bildbearbeitungen, Bildaufbau u.a. Alles zusammen hilft uns, andere Bilder anders zu betrachten und vllt. zu beurteilen.

Gleich beim ersten Bild auf Seite 14 beginne ich, mich gedanklich in die Bildkritik mit einzumischen. Das spricht direkt für das Buch. Es lädt ein zum Mitmachen. Meine Gedanken schreibe ich auf ein Postit an Ort und Stelle. Ich bin da nicht so ganz bei Thomas. Für mich ist das Bild zu sehr soft. Den Horizont höher zu setzen um mehr vom Chiemsee zu zeigen, würde zu einer noch größeren matschigen grauen Fläche führen. Weniger Belichtungszeit wäre aus meiner Sicht hier mehr gewesen. Diskutiere doch gerne mit durch einen Kommentar, wenn Du Dir das Buch gekauft hast.

Je weiter ich mich in das Buch hineinlese, umso mehr missfällt mir der Sprachgebrauch, der sich so gar nicht an die Zielgruppe der Edition Profifoto richtet. Und ein Gedanke kommt mir auf Seite 33. Eine Echse ist abgebildet und der Schwanz halb abgeschnitten. Martin sagt dazu gar nichts. Er spricht allgemein über das Beherrschen der Kamera. Keinerlei brauchbare Aussage zum Bild. Der abgeschnittene Schwanz fällt doch sofort ins Auge. Meine Frage wäre sofort nach dem Warum? Ich habe den Eindruck, die Autoren wollten einfach nur ein Fachbuch rund um Fototechnik schreiben. Um es aufzupeppen und sich abzuheben hat man die Bildkritik hinzugefügt. Zum jeweils technischen Aspekt wurde dann ein Bild hergenommen. In diesem Fall das der Echse im Zusammenhang mit der Technik der Blendenvorwahl; anstelle der für die Motivsituation passenden Zeitvorwahl.
Wie dem auch sei, geschenkt. Es fehlt der Dialog! Auf Seite 34 blitzt er kurz auf in dem Martin auf die Bildkritik von Thomas antwortet. Das würde ich mir an allen Bildern so wünschen oder zumindest bei den meisten. Insbesondere dann, wenn in der Bildkritik direkt Fragen aufgeworfen werden. Die Antworten bleiben aus. So müssen wir uns selber mit der Bildkritik auseinander setzen und beurteilen, ob wir einverstanden sind, oder eine andere Meinung haben. Eine Herausforderung, die man annehmen kann und auch muss. Das hatte ich auch schon weiter oben so geschrieben. Und hierin liegt die schon angesprochene Besonderheit. Es ist die Anregung oder gar Provokation, sich selbst eine Meinung zu erarbeiten und zu begründen, wenn man mit dem Autor hier und dort nicht konform geht.

Im Grunde haben wir hier ein Buch rund um Bildgestaltung, Bildaufbau, Fototechnik und Grundlagenwissen in einer anderen Art und Weise aufbereitet. Die Mängel dieser Aufbereitung trüben den Eindruck des Buches ein klein wenig. Schade, es wurde Potenzial verschenkt. Dennoch finde ich das Buch inhaltlich gut gestaltet. Es ist für Einsteiger in die Fotografie sehr empfehlenswert durch die Vielfalt an richtigen technischen Erklärungen und Anregungen sowohl in Bezug auf Kameraeinstellung als auch den Gebrauch von Hilfsmitteln. Und auch der Profi kann profitieren, wenn er angeregt wird, über seine Art zu fotografieren nachzudenken und seine Barndoors (Scheuklappen) mal weiter Richtung Ohren zu öffnen. Im übertragenen Sinn, ich denke Sie wissen was ich meine.


Über die Autoren:
Thomas Kleinert aus München ist eigentlich Mathematiker. Auf unzähligen Rucksackreisen quer durch die Welt tauscht er aber regelmäßig die Formelsammlung gegen die Kamera, um sich intensiv der Reise- und Landschaftsfotografie zu widmen.
Martin Schmidt ist Mathematikprofessor aus Trier. Wenn er nicht gerade im Hörsaal steht, lebt er sein Faible für Abstraktion und Ästhetik in der Fotografie aus. Zu seinen Schwerpunkten zählen Architektur- und Landschaftsfotografie.

Über die Edition ProfiFoto:
Die Experten der Redaktion PROFIFOTO und aus dem mitp-Verlag bündeln ihr Know-how und publizieren in Zusammenarbeit mit erfahrenen Autoren, die unmittelbar aus der Foto-Praxis kommen, eine einmalige Fachbuchreihe “made for professionals”. Ergänzend und flankierend zum Magazin PROFIFOTO bieten die mitp-Bücher der EDITION PROFIFOTO professionelles Wissen zum richtigen Umgang und zur effizienten Nutzung digitaler Fototechnik und Bildbearbeitung.

Zielgruppe:
Professionelle Fotografen

1 Comment

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  • Lieber Herr Möbus,

    vielen Dank für die ausführliche und ehrliche Rezension! Viele Dinge sehen Sie etwas anders als ich (Chiemsee, Echse,…) – und das ist eigentlich das größte Lob. Ziel des Buches ist, Menschen zum Nachdenken und Diskutieren anzuregen. Ihre Rezension freut mich deshalb sehr!

    Bezüglich der “Knalleffekte”: Ich kann Ihren Standpunkt verstehen. Ein Kommentarfeld eines Blogs ist sicher nicht das richtige Medium, um darüber zu diskutieren. Deshalb nur soviel: Martin und ich lehnen JEDE Form der Gewalt ab. Diesbezüglich sind wir komplett Ihrer Meinung.

    Viele Grüße
    Thomas

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