Zweibeinstativ von xhia

Warum das Zweibeinstativ eine Alternative zum klassischen Stativ darstellt und Ihnen zu mehr Entspannung und Achtsamkeit bei Ihrer Fotografie verhilft, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Einbeinstative und Dreibeinstative kennt wohl jeder Fotograf und jede Fotografin. Zweibeinstative sind völlig unbekannt. Ausnahmen bestätigen die Regel. Sie sind ein Nischenprodukt. Und das haben Sie eigentlich nicht verdient. Vllt. ändert sich das jetzt.
Hier stelle ich das System mit dem Namen Ray von Dr. Harald Gorr vor. Kein reines Zweibeinstativ, es ist mehr als das, wofür ich es hier vorstelle. Denn ich habe einen eigenen Anwendungsfall.
Es gibt zwei Grundplatten. Die Base 1 und Base 2. Sie unterscheiden sich in der Größe und der Anzahl der Gewindebohrungen. Die Seitenteile können zu jeweils 18 Grad abgewinkelt werden. Die “Flügel” sind Namensgeber der Platten: Ray = Rochen.

Ein Einbeinstativ nimmt im Grunde nur das Gewicht einer schweren Kamera auf. Eine Stabilität gegen Verwackeln ist nicht wirklich gegeben. Anders beim Zweibein, welches ein Kippen zur Seite verhindert und somit auch Stabilität bietet. Die beiden Achsen Vertikal und Horizontal sind sicher. Nur die Sicherung gegen Kippen ist nicht gegeben. Auch dafür gibt es eine einfache Lösung, zu der ich noch kommen werde. Eine ideale Kombination ergibt sich aus Wanderstöcken, die auch als Stativbeine genutzt werden können.  Ich benutze die Komperdell Camera Staff Wanderstöcke.

Komperdell Model Camera Staff. Der Knauf aus Kork ist abnehmbar.
Base 1 mit den montierten Wanderstöcken.

Der Nachteil des Zweibeinstatives liegt auf der Hand. Es steht nicht von alleine und muss immer mit einer Hand gesichert werden. Das ist bei meinem Einsatzfall unbedeutend. Von Vorteil ist die kompakte Bauform der Basisplatten. Sie sind schmal, leicht und können so sehr gut an einem Rucksack befestigt werden wenn man keine Wanderstöcke verwendet und an Stelle dessen normale Stativbeine, wie sie bei xhia.de erhältlich sind, benutzt. Leicht anzubringen und abzunehmen, wie das Foto oben schon erahnen läßt.


Mit einem montierten Kugelkopf ist das Ganze nicht mehr ganz so kompakt. Immerhin lässt es sich zerlegen. Anders sieht es bei den meisten DreiBeinStativen aus. Da kann man meistens nur eins von drei Beinen abschrauben. Ausnahme Novoflex und 3LeggedThings. Beim Wandern mit Stöcken hat man ja auch keine Hand mehr frei, um das Stativ zu tragen. Es muss dann immer an den Rucksack montiert werden. Hat man nur kleine kompakte Kameras mit dem allerneuesten IBIS (In Body Image Stabilisation) braucht man auch nicht unbedingt ein Stativ. Und läßt es genau aus den vorgenannten Gründen dann doch lieber zu Hause. Aber dieses Zweibeinstativ kann man immer dabei haben. Insbesondere, wenn man sich für die kleine der beiden Platten in Verbindung mit einem kleinen Kugelkopf entscheidet. Es gibt keinen Grund, es nicht dabei zu haben. Noch weniger Grund haben Sie, wenn Sie es wie ich verwenden, wie ich nachfolgend zeige.
Meine Empfehlung ist die Base-2 mit einer Panorama-Schnellkupplung zu verbinden und dafür die Flügelschraube zu verwenden. So hat man eine wirklich kleine und flache Einheit, die auch in die Hosentasche oder Jackentasche passt. Und schwenken kann man durch die Panoramaeinrichtung der Schnellkupplung auch. Noch kompakter wird es, wenn man die Flügelschraube weglässt. Auch darauf gehe ich noch ein.


Die maximale Arbeitshöhe beträgt mit meinen Wanderstöcken 138 cm. Die minimale Höhe liegt bei 66 cm.
Ich sehe den Einsatzbereich hauptsächlich in der Landschaftsfotografie. Insbesondere wenn man noch Wanderstöcke mit einem 1/4 Zoll Gewinde sein eigen nennt. Leider sind diese fast komplett vom Markt verschwunden. Das liegt sicher auch darin begründet, dass die großen Marken der Stativhersteller das Zweibeinstativ nicht beachten und somit nicht vermarkten.  Ich bin ja auch nur eher Zufällig auf das System Ray gestoßen. Es ist quasi ein Geheimtipp. Wanderstöcke mit 1/4 Zoll Kameragewinde bekommen Sie bei Komperdell und Novoflex.
Mir gefällt die Vorstellung, aus den Wanderstöcken unterwegs auf die Schnelle ein Stativ bauen zu können, sehr gut. Ich brauche ja auch keinen großen Kugelkopf. Mein Wahl wäre statt der Panoramaklemme, wie sie oben zu sehen ist, eine Nivellierkalotte, die sich frei in alle Himmelsrichtungen bewegen und um 15° rundum verschwenken lässt. Ohne Nivellierkalotte wird ein Schrägstand nur durch die Auszugslänge der Beine und der Stellung der Flügel ausgeglichen. Das ist etwas umständlich. Die sich mit einer Nivellierkalotte ergebende Bewegungsfreiheit wäre für mich in der Landschaftsfotografie völlig ausreichend. Die Basis mit der drehbaren Klemme ist leicht und kompakt, einfach zu verstauen. Braucht nicht viel Platz. Die Wanderstöcke hat man die meiste Zeit in den Händen.

Als Dreibein nutze ich es hier im Beispiel zusammen mit dem iPhone 13 max, welches eine sehr schöne Makrofunktion aufweist.

iPhone Max hängend unter dem RAY mit Mini Kugelkopf und qleg mini von Novoflex. Das iPhone Case ist von Smallrig.

Durch die recht breite Basis hängt das Smartphone oder die Kamera unmittelbar darunter. Bei einem Dreibein ist das konstruktionsbedingt nicht möglich. Es fehlt einfach an Platz. Die Handhabung ist aber gewöhnungsbedürftig weil die Kamera Kopfüber hängt und dadurch die Bedienung erschwert ist, es sei denn Sie haben ein Objektiv mit Stativschelle, die drehbar ist. Mein Fall ist das so ganz und gar nicht. Meine Kamera dreht noch nicht mal das Bild, so dass es auch auf dem Kopf steht. Da ist das iPhone im Vorteil. Und ich liebe es mit dem iPhone zu fotografieren. Auch unterwegs beim Wandern. Das recht breite iPhone hat unter der Basis viel Platz und kann ohne an einem Stativbein anzustoßen, ausgerichtet werden. Mit einem normalen Stativ geht das nicht so gut. Man muß es dann schon sehr hoch aufstellen, damit die Mittelsäule weit nach unten reicht. Dafür ist aber nicht immer Platz, z.B. unter einem Felsvorsprung im Gebirge.

Eine weitere Möglichkeit der Nutzung als Dreibein aber mit nur einer Platte ist die Abstützung an einer Fläche. Das kann auch der eigene Körper sein oder eine stabile Eiche. Dazu montiert man ein – kurzes – Bein an einen der beiden Innengewinde seitlich an der Platte.

Mit einem kurzen Bein an der Hauswand angelehnt bietet es gute Stabilität bei einer längeren Belichtung.
Praktische Anwendung im Wald an einen Baum angelehnt.

Transport

Eine Platte mit Kugelkopf braucht wenig Stauraum. Ein Kugelkopf steht aber ab. Eine Panoramaklemmung, wie hier zu sehen, ist flach. Das passt auch in die Hosen- oder Jackentasche. Die Flügelschraube habe ich nicht verwendet, weil sie zu weit aufbaut. Wie in der Abbildung oben zu sehen ist. Meine Verbindung ist DIY, aber leicht nachzumachen. Siehe weiter unten. Eine andere Transportlösung wäre noch, es sich mit einem Karabiner am Hosenbund anzuhängen.

Folgende Dinge habe ich bei meinem Test zusätzlich verwendet:
v.l.n.r. Schrauböse BlackRapid, 2x Adapter 1/4 auf 3/8, 1x Gewindestift 1/4 verbunden mit 3/8 Adapter, Karabiner, DIY 1/4 Gewindestift mit Kunststoffscheibe und 3/8 Adapter. Gerade die Adapter oder auch Reduzierhülsen genannt, sind gut zu haben. Denn das 1/4 Zoll Gewinde ist weiter verbreitetet als das 3/8 Zoll Gewinde. Die Reduzierhülsen und Gewindestifte sind leicht zu beschaffen im Versandhandel oder direkt bei xhia.de und kosten wenig. Zwei Reduzierhülsen (ohne Schulter) liegen jeder Base bei. Sie sind erforderlich, um die Wanderstöcke an den Flügeln anbringen zu können.

Es stellt sich die Frage, warum nicht gleich 1/4 Zoll Gewinde in den Flügeln zum Einsatz kommt und man sich mit Reduzierhülsen behelfen muss. Das hat einfach den Grund der Kompatibilität. Es gibt nämlich Stativbeine mit einem 3/8 Zoll Gewindestift. Diese könnte man dann nicht verwenden. Und zwei Reduzierhülsen gehören zum Lieferumfang. Sie haben allerdings keine Schulter und müssen deshalb auf den Gewindestift der Wanderstöcke aufgeschraubt werden. Das ist nur bei den Wanderstöcken von Komperdell ein Nachteil. Denn will ich die Korkkugel wieder aufsetzen, muss ich erst die Hülse entfernen. Bei der Benutzung mit Komperdell Camera Staff Wanderstöcken empfehle ich, Hülsen mit Schulter in die Flügel der Base einzusetzen und fest anzuziehen. Mit Loctite kann man sie noch zusätzlich sichern. Bei den Wanderstöcken Walk III von Novoflex, die ebenfalls bei Komperdell gefertigt werden, kann die Hülse auf dem Gewindestift dauerhaft bleiben. Die Stöcke werden ja in den Griff hinein geschoben.
Links im Bild der Wanderstock von Novoflex mit aufgeschraubter Reduzierhülse. Die Besonderheit ist der glatte Steg. Dieser passt exakt in die Aussparung der Base. Daneben ist eine Base von der anderen Seite zu sehen, die keine Aussparung hat, mit einer eingedrehten Reduzierhülse mit Schulter. Eine Sicherung mit Loctite gegen versehentliches Herausdrehen und Verlieren ist empfehlenswert. Aber nur bei diesem speziellen Anwendungsfall. Rechts der Griff des Komperdell Stockes mit Gewindestift.

Die von mir vorgestellte Nutzung ist ein denkbarer Anwendungsfall von vielen anderen. Das System ist jedoch eher in Kombination mit Stativbeinen gedacht. Durch Kombination mehrerer Platten in Verbindung mit den weiteren Komponenten sind viele Einsatzmöglichkeiten realisierbar. Vllt. hatten Sie schon mal eine fotografische Herausforderung, die mit einem herkömmlichen Stativ nicht zu lösen war. Hier könnte Ihnen das Ray-System weiterhelfen. Für den Wanderer, der bisher auf ein Stativ verzichtet hat, ist es eine empfehlenswerte Alternative.

Fazit:
Das System Ray von xhia macht Freude in Kombination mit den Wanderstöcken von Komperdell bzw. Novoflex. Es ist eine Alternative zu einem Dreibeinstativ. Nicht nur der Platzbedarf ist gering, sondern auch das Gewicht. Und Sie können es bei einer Wanderung immer dabei haben, auch wenn Sie nicht mit einem Rucksack unterwegs sind. Ein weiterer sogar gesundheitlich fördernder Effekt ist die Entschleunigung. Es braucht etwas Zeit für das Anbringen der Wanderstöcke und das Ansetzen der Kamera. Es steigert Ihre Achtsamkeit, weil Sie nicht mehr einfach nur Knipsen. Ein guter Grund, dieses System zu verwenden.

Daten

MaßeAnzahl GewindeGewicht
Base 1
Base 2
130x35x12
180x35x12
7x 1/4, 3x 3/8
11x 1/4, 7×3/8
105 gr.
144 gr.

#Transparenz Dieser Beitrag wurde unterstützt von Komperdell.at und xhia.de. Ganz herzlichen Dank dafür.

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