Das Blitz-Kochbuch

Unknown-3 Der Verlag oder auch der Autor oder beide haben sich m.E. sowohl beim Titel als auch bei dem Titelbild vergriffen. Was bitte sollen drei Frauen in Bikini auf einem Cover eines technisches Lehrbuches? Na ja, eigentlich doch eine gute Idee!
Und schnell mal schauen, wie ich eine bestimmte Fotoaufgabe, die mit Blitzlicht gemacht werden soll, geht eben nicht. Ganz anders als in einem echten Kochbuch. Wenn man es wie ein Grundlagenbuch zum Kochen versteht, dann passt es schon. Von Anfang bis Ende lesen und nachkochen lohnt sich.


Als Leserkreis werden u.a. Profifotografen genannt. Nun mag das auf den ein oder anderen Kollegen von mir zutreffen, aber grundsätzlich findet der Profi nichts neues; er wird das Buch eher gleich weglegen wegen der verwirrenden Beschreibungen gleich zu Anfang des Buches im ersten Kapitel.
Grundsätzlich ist das Buch für Fotografen geeignet, die bislang keinen Aufsteckblitz  benutzt haben und nun sich der Thematik annähern wollen. Mein Tipp: kaufen Sie das Blitzgerät erst, nachdem Sie das Buch gelesen haben!
Der erste eklatante Fehler findet sich schon direkt zu Anfang in dem Buch, in Kapitel 1 auf Seite 2. Nach Aussage des Autors liegt der Schatten bei dem Frontallicht hinter dem Objekt und sei demnach fotografisch nicht relevant. Das steht jedoch in krassem Widerspruch zu der dazugehörigen Abbildung 1-2. Der Schatten des Kopfes ist deutlich am Hals des Models zu sehen; und das ist alles andere als nicht relevant. Wer von schattenloser Ausleuchtung spricht, sollte auch die dazu passenden Abbildungen zeigen. Und wer ein Lehrbuch veröffentlicht, sollte die unbedingt erforderliche Sorgfalt walten lassen. Auf Seite 16 geht es mit Ungereimtheiten weiter. Der Autor behauptet, dass den Abbildungen 1-19 und 1-20 das maßgebliche Bestimmungselement, der Schatten, fehlen würde. Mir drängt sich der Verdacht auf, der Autor hat seine Bilder gar nicht richtig betrachtet, denn sonst wären ihm doch die Schatten unter dem Kinn des Models nicht entgangen, an denen man leicht die Lichtcharakteristik ausmachen kann. Der Autor erwähnt es dann schließlich selber im übernächsten Satz. Da fragt man sich, warum der Autor zunächst dem Vorhandensein des Schattens abspricht und kurz drauf diesen erwähnt und seine Aussage zum Gegenteil revidiert.
Der zweite eklatante Fehler folgt: Die Antwort auf Seite 75 zu der Bildaufgabe Seite 72/73 ist falsch!! Die Richtige Lösung ist die, dass die Verschlußzeit verkürzt worden ist. Der Autor erklärt den Fehler damit, dass die Bilder vertauscht worden seien.  Dieser zweite eklatante Fehler führt dazu, dass man weiterliest mit dem Gefühl der Unsicherheit. Stimmt das, was man gerade gelesen hat?
Kapitel Eins und Zwei ist sehr lehrreich. Lesen Sie sie und machen Sie sich mit den Grundlagen vertraut. Dann sind die weiteren Kapitel eine schöne Zugabe, die Lust auf den Umgang mit Aufsteckblitzen machen.

Der Autor hält sein Buch unabhängig von Blitzgeräten bestimmter Marken. Das ist m.E. positiv zu bewerten. Zu den Systemblitzgeräten der gängigen Hersteller gibt es zu jedem Blitzgerät ein Buch. Gelegentlich stellt er das ein und andere nützliche Zubehör vor. Und dabei unterläuft ihm wieder ein Fehler. Auf Seite 178 wird der RF-602TX von Yongnuo vorgestellt. Dieser benötigt eine Spezialbatterie und nicht etwa zwei AAA Batterien. Zudem ist dieses Model veraltet und durch die Serie 603 abgelöst worden.

Fazit
Ein insgesamt brauchbares und lehrreiches Buch für den Amateur, der sich bislang nicht mit Aufsteckblitzen und den Grundlagen der Licht- und Blitztechnik befasst hat. Er findet das erforderlichen Grundwissen gut vermittelt und bekommt in weiteren Kapiteln Anregungen und Erklärungen zu speziellen Aufgaben.

Januar 2012
320 Seiten, komplett in Farbe, Festeinband
ISBN: 978-3-89864-773-1
dpunkt.verlag